Vergessene Museen (XI): Das Museum für Säuglingskunde (1914–um 1970)

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Die Gründung des Museums im Kaiserin Auguste Victoria-Haus ging auf eine sozialpolitische Aufklärungsinitiative zur Bekämpfung der hohen Säuglingssterblichkeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Es wurde im Haupthaus des hochmodernen Gebäudekomplexes in Charlottenburg untergebracht, den Alfred Messel und Ludwig Hoffmann 1907–1909 erbaut hatten. Die Art der Präsentation entsprach eher einem Informationszentrum denn einem Museum. Hauptziel der Ausstellung war es, junge Mütter zum damals wenig verbreiteten Stillen der Säuglinge zu bewegen. Das Museum gab das Vorbild für das Museum für Säuglingskunde in Wien ab, das dort 1916 eröffnet wurde. Weiterhin war es musterhaft für das Volksmuseum für Frauenkunde in der Weimarer Republik. Die Ausstellung in Charlottenburg existierte wohl noch mindestens bis in die späten 1960er-Jahre.

Literatur: Volkstümliche Zeitschrift für praktische Arbeiterversicherung 5 (1915), S. 59; Zentralblatt für Volksbildungswesen 12 (1916), S. 184f.; Gudela Marschall: Wandlungen in bezug auf die Gesundheitspflege, in: Erich Egner (Hg.): Aspekte des hauswirtschaftlichen Strukturwandels, Berlin 1967, S. 99–116, hier S. 106; Robert Habel: Alfred Messels Wertheimbauten in Berlin, Berlin 2009, S. 747–753; Jörg Vögele/Thorsten Halling/Luisa Rittershaus: Ärztliche Stillempfehlungen in Deutschland im 20. Jahrhundert, in: Kinder- und Jugendarzt 7 (2010), S. 465–469

 

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