Wox-Holländer – Konstruktivismus im Warthebruch

Warthebruch bei Oksza

Der Warthebruch ist der hierzulande ziemlich unbekannte, kleinere Nachbar des mittlerweile mindestens in Berlin berühmten Oderbruchs. Beide sind weite, unter König Friedrich II. trockengelegte einstige Sumpfgebiete, in denen sich die Warthe und die Oder zu unzähligen kleinen Fließen verzweigt hatte und die nun von Bauern in harter Arbeit trockengelegt und besiedelt wurden. Das dritte große Meliorationsprojekt jener Zeit war der Netzebruch, der nordöstlich an den Warthebruch anschließt. Warthe- und Netzebruch liegen zwar gar nicht so weit weg von Berlin, aber dennoch seit 1945 in Polen, was ihre Unbekanntheit bei den traditionell sehr wenig auf Polen neugierigen Berlinern erklärt. Wer sich dennoch hierhin aufmacht, entdeckt eine wunderbare, vollkommen flache, in der Ferne von flachen Hügeln umschlossene Felderlandschaft mit einzelnen Hofstellen und winzigen Ansiedlungen, durchzogen von schnurgeraden Kanälen und Straßen und in der Mitte die schnell fließende, durchaus imposant breite Warthe, polnisch Warta.
Unmittelbar hinter Flussdeich und schmaler Straße steht inmitten des Warthebruchs eine Kirche, die so ungewöhnlich ist wie einst der Name des winzigen Ortes, in dem sie sich befindet: Wohl von seiner Gründung 1783 an trug das neumärkische Dörfchen den schönen Namen „Wox-Holländer“. Daraus wurde 1945 polnisch „Oksza“. Damit wurde wohl nur der erste Teil des Namens, Wox, ins Polnische Übertragen. Wer oder was aber war und ist „Wox / Oksza“? Es ist der Name des Baches, der hier in die Warthe mündet.

Kirche Wox-Holländer

Die Kirche ist ein offensichtlich mit knappen Mitteln errichteter Fachwerk-Backsteinbau auf einem Sockel aus Feldsteinen. Die einfache geometrische Holzbalkenkonstruktion verleiht ihr ein modernes, gleichsam konstruktivistisches Aussehen. Ungewöhnlich sind auch die kleinen Fenster und das flache Satteldach, die nicht recht zur Vorstellung einer Kirche passen. Errichtet wurde der Hauptbau 1862/63, also über hundert Jahre nach der Gründung des Ortes. Der an das Schiff angepasste, etwas niederigere Eingangsbau soll erst von 1934 stammen. Als nunmehr seit Jahrzehnten katholische Kirche ist sie offenbar in regelmäßiger Nutzung.

Kirche Wox-Holländer 02